Meta





 

Eier. Wir brauchen Eier.

Heute war es mal wieder soweit, Gesa wurde zum "Eiermachen" einbestellt. Ich mag "Eiermachen", eigentlich ist es sogar fast meine Lieblingsarbeit!

Ich habe die Ehre mit Nachbar's Twingo (für eine Super Cinq Fahrerin (Baujahr 1989) gleicht er einem Ferrari) zum Partnerhof in fünf Kilometern Entfernung düsen zu dürfen...

In den dortigen beiden Hühnerställen gehe ich zuerst die Nestreihen ab und sammele die Eier ein. Anschließend säubere ich die Nestinstallationen mit Handfegern und Tüchern. Da die circa 500 Hühner gerne mal individuell sind legen sie auch im Innenstall. Deswegen suche ich auch dort in den Mulden weiter.

Die Hühner sehen mich anscheinend als gefährlich an denn sie beginnen sobald ich die Tür öffne und eintrete wie verrückt zu gackern und möchten eigentlich nicht von ihren selbsternannten Nestmulden weichen, aber gut zureden hilft

Nachdem ich die Eier gezählt habe und die Anzahl (heute Nachmittag waren es 387) pflichtbewusst in den Kalender eingetragen habe geht es im Eierhaus weiter. Hier säubere ich die Eier mit einem Schwämmchen, wiege sie und sortiere die kaputten oder leicht mutierten aus. Eier mit einem Gewicht von 53g oder weniger sind "petit", die größeren werden als "normal" verkauft.

Da sitze ich nun also weitab jeder Zivilation in meinem Eierhaus und drücke den Eiern noch einen Stempel auf den Kopf um sie letztendlich in Stapeln zu 300 Eiern zum kurzweiligen Lagern abzustellen.Dort warten sie dann darauf bald auf dem Markt oder in Geschäften verkauft zu werden die lieben Bioeier.

Nach circa 1 1/2 Stunden ist das "Eiermachen" zuende und Gesa wandert über die Schafsweide und die Truthahnwiese zurück um wieder in der Zivilation, dem Bauernhaus anzukommen...

Eier gehören hier übrigens zu den Hauptnahrungsmitteln. Laut der französischen Nahrungspyramide soll man ein- bis zweimal täglich Fleisch, Eier und Fisch essen, ich beschränke mich da auf die Eier, das alltägliche Frühstücksei, abends gerne Omelette, Rührei oder auchmal gespiegelt :D, in uns Freiwilligen finden die Bauern immer willige Abnehmer wenn die Eier mal wieder dringend wegmüssen...

 

1 Kommentar 7.11.11 18:26, kommentieren

Nouvelle inscription!

 

Heute habe ich ein Schaf gemolken, per Hand, versteht sich

 

Mittwoch haben wir erstmals auf einer Ferm von Deutschen gearbeitet, es war sehr nett jedoch ungewohnt sich mit den "Arbeitgebern" auf deutsch zu unterhalten. Das besagte Paar hat einen netten kleinen Hof, sehr alternativ und biologisch (wie ungefähr alles hier) aber auch irgendwie typisch deutsch...

Unter anderem mussten wir eine Schafherde teilen, die eine Hälfte sollte am selbigen Abend geschlachtet werden, die andere Hälfte erst zwei Wochen später...ich fand es sehr traurig denn die Schafe waren sehr süß und quitschfidel..aber was tut la Volontaire nicht alles. Ich esse jedenfalls seit Mai kein Fleisch mehr und bei den ganzen Schlachttieren die ich täglich zu sehen bekomme (wenn auch bio) ist mir das auch ganz recht!

In unserem Minidorf ist jedenfalls viel los, es findet beipielsweise bei Veronique im Saal jede zwei Wochen ein Tanzkurs statt, englische Folklore! So tanzten Leon und ich voller Inbrunst 2 1/2 Stunden Gruppentänze aus der Renaissance, zusammen mit sieben englischen Franzosen, einer Französin und einer Amerikanerin und verständigten uns paradoxerweise aus einem Mischmasch dreier Sprachen, es war wirklich genial!

Engländer gibt es hier übrigens viele, nicht nur für die Niederländer in Ostfriesland, nein, auch für die Engländer in Frankreich ist es lange Jahre finanziell attraktiver gewesen im Nachbarland zu bauen und zu wohnen, Ouistreham und Calais mit Fähranlegern nach Engländer sind schließlich nicht weit entfernt...

 

Bei der Vorstellung in unserer örtlichen Grundschule mit circa 80 Kindern ist mir bewusst geworden wie jung die eigentlichen Grundschüler in Frankreich sind. Bekanntlich geben die Franzosen ihre Kinder mit nur drei Monaten in eine Ganztagesbetreuung, u.a. haben somit beide Elternteile die Chance nach der Geburt eines Kindes weiterzuarbeiten. Die Kleinen werden allerdings auch schon im zarten Alter von drei Jahren in die Vorschule, "Ecole Maternelle" obligatorisch eingeschult, ab circa 6/7 geht es dann in der "Ecole Primaire" weiter bis zu elf Jahren. D.h., dass in der Grundschule dreijährige Steppkes mit riesigen Schultaschen herumwurschteln, so klein wie mein süßes Patenkind Amelie, irgendwie ungewohnt...gehört sowas nicht eher in die Nachmittagsgruppe eines Kindergartens?

Allgemein ist die Mentalität Kindern gegenüber merklich ein wenig anders als in Deutschland. Frankreich hat eine der höchsten Kinderdichten Europas, in den mir hier bekannten Familien sind meist vier oder fünf Kinder, die obligatorischen 1.3 der Deutschen wären hier auffallend wenig. Des weiteren hat man die Kinder einfach, es wird wenig von ihnen geredet, man sieht sie kaum da sie bis spätnachmittags in der Schule sind und sie werden eher nicht so betüdelt wie die deutschen Schnuckis, vielleicht gar nicht so schlecht? Auf jeden Fall machen sie keinen verwahrlosten, unglücklichen oder ungeliebten Eindruck, im Gegenteil!

Am Samstag war eine "Porte Ouverte" örtlicher biologischen Fermes bei unseren entfernten Nachbarn, Marktstände auf einer grünen Wiese, dazu Führungen über die Ferm, irische Musik von einer Musikgruppe, Führungen über die Ferme und ganz viele spielende Kinder...dafür gibt Gesa doch gerne ihren freien Samstag zum arbeiten bereit

Meine Arme sind übrigens schon jetzt von der vielen körperlichenarbeit sehr muskulös geworden, es ist merklich wie die Muskeln wachsen, besonders in den Unterarmen, das erste T-Shirt ist auch schon zu eng geworden :D

Ich bin glücklich hier zu sein!

3 Kommentare 26.9.11 22:10, kommentieren

20.9.11 23:48, kommentieren

20.9.11 23:39, kommentieren

Pomme de terre

Unseren ersten freien Sonntag haben Leon und ich dafür genutzt um mit dem Auto an's Meer zu fahren. In weniger als einer Stunde standen wir in Ouistreham am Atlantik

Neben einem ausgeprägten Strandspaziergang waren wir auch auf einem für uns exotischen Fischmarkt (ja, es gibt sonntags Märkte in Frankreich) und haben Miesmuscheln für's Abendbrot gekauft (lecker!).

Im schönen Ouistreham gibt es u.a. einen Fähranleger für die Fähre nach Portmouth (G.B.), kaum zu glauben, dass genau an diesem und weiteren Stränden im Jahr 1944 ein riesiges Blutbad zwischen der Deutschen Wehrmacht und den Alliierten stattgefunden hat!

Auf einem Abstecher in's sagenhafte Caen (200.000 Einwohner) haben wir uns vom Schloss aus einen guten Ausblick über die Stadt machen können, Fazit: hübsch und viel Altstadt, sonntags aber abseits des Schlosses tote Hose

 

 Meine Fahrkünste sind allerdings mal wieder auf die Probe gestellt worden, fremde "Großstadt" Caen, Auto mit Eigenleben, unbekannter Weg und französische Verkehrsregeln...

Sollte also jemand ein hoppelndes Auto auf einer Schnellstraße in Caen gesehen haben, Leon und Gesa on Tour :'D

 

 

Gestern fing nun also unsere "richtige Arbeit" an. Innerhalb der nächsten zwei Wochen schauen wir jeden Tag auf anderen Höfen, in andere Geschäften etc hinein.

Den ersten Tag habe ich auf der "Ferme pedagogique" bei unserer lieben Vereinspräsidentin und Nachbarin Veronique verbracht. U.a. galt es die hofeigenen Tiere zu versorgen, ich bin ganz begeistert gewesen, deshalb eine Aufzählung einiger Tiere, circa 6-8 Ponys, 1 Pferd, Esel, 1 Maultier, eine Kuh ("Noisette", Gänse, Hängebauchschweine, rosa Schweine, Hühner, Enten, zwei Truthähne, unzählige Katzen, Kaninchen, Ziegen...

 Brombeeren-, Pflaumen-, Äpfel pflücken, Salat anpflanzen, Kartoffeln ernten, Eier suchen etc., viel Arbeit gehabt in den ersten  Tagen, auch heute beim biologischen Gemüsefermeur im Nachbarort.

Wenn ihr die nächste Biokartoffel seht hadert nicht wegen des Preises! Biokartoffeln werden mit der Hand ausgegraben, dass ist ganz schön anstrengend, vor allem bei nassem, lehmigen Boden, sie werden gut behandelt, der Preis lohnt sich!- Ohja, die Wertschätzung von Lebensmitteln steigt in's Unermessliche :D

Leider ist mein Mittelfinger (Zufall?) grade sehr taub und er tut weh, ist eben blöd beim Wühlen nach Kartoffeln einen riesigen spitzen Stein zu erwischen....

Das Arbeiten macht trotzdem viel Spass, wir essen mittags bei der jeweiligen Familie, das ist schon sehr gesellig. Zum Dank für die Arbeit haben wir heute wieder viel Obst und Gemüse geschenkt bekommen, das erlaubt uns abends immer sehr nett zu kochen. Man gewöhnt sich übrigens an alles, auch an's späte Abendbrotessen (ab 21.00h) un das leckere französische Essen!

Mittlerweile bekommen wir auch fast immer sofort den Cuisiniere an, das Autofahren klappt doch ganz gut und die Abende sind mit Kartenspielen, kochen und essen sehr gesellig!

Bonne nuit!

 

3 Kommentare 20.9.11 23:29, kommentieren

Volontaires au Bocage!

Liebe Leute,

ich sitze an unserem Küchentisch und erfreue mich der Wärme unseres Cuisinieres, denn heute sind Leon und ich endlich in die Tiefen (ohja!) unseres Holzofens eingeweiht worden, der fast das ganze Haus beheizt. Die letzten beiden Nächte waren sehr kalt...

Unser Dörfchen hat 10 Einwohner, heißt "Escures" und ist nahe dem Dorf "St.Jean-le-Blanc" (300 Einwohner). Außer uns gibt es eigentlich nur Bauern, wir kennen schon alle, sie sind sehr nett und sehr französisch

Alle Bauern hier sind Biobauern und darin besteht eigentlich auch unsere Hauptaufgabe, nämlich ihnen zu helfen bei ihren täglichen Arbeiten.

Unser Haus ist schon sehr alt und außerdem alternativ. Leons Zimmer ist im Erdgeschoss, zu meinen Zimmer komme ich über drei Holztreppchen im 1. Stock. Wir benutzen eine Trockentoilette im Garten und heizen mit einem Holzofen. Es ist sehr ländlich und idyllisch und gefällt mir sehr gut!

Direkt angrenzend an unserem Grundstück ist eine große Kuhweide, an der anderen Seite laufen circa 100 Hühner

Unser Haus, auch liebevoll "Chateau" (Schloss) genannt wird seit 35 Jahren von den jährlichen Frewilligen von ASF geprägt, dementsprechend gemütlich sieht es innen aus

Neben unserem Garten haben wir ein kleines französisches Auto, es ist wahnsinnig dreckig und es braucht einen Starter zum Anfahren, Baujahr '91. Aber es ist uns sympathisch!

Heute hat es uns aber schon im Stich gelassen, wir brauchten Anfahrhilfe auf dem Parkplatz der Postbank im nächsten Städtchen

 

Donnerstag an unserem ersten Tag sind wir gleich mit auf'm Kartoffelacker gewesen um zusammen mit dem ganzen (!) Dorf die Kartoffeln zu ernten. Es war sehr nett zudem die Sonne kräftig geschienen hat.

Heute beispielsweise haben wir 15 Kubikmeter Holz umgebanst, an zwei Tagen, das war viel Arbeit, aber die Arbeit hat sich gelohnt, wir wollen es ja schließlich warm haben im Winter

Es ist schon ein Quantensprung, innerhalb eines Jahres von der 17jährigen Schülerin im Hotel Mamapapa über Bad Oeynhausen auf einmal ein eigenes Haus "zu besitzen", einen Job zu haben, ein Auto, einen Garten und zudem auch noch volljährig zu sein Klappt aber ganz gut :D

Die Natur ist hier übrigens sehr schön, es ist hügelig hier, ansonsten gibt es viele Felder und Wallhecken, eigentlich ein bisschen wir zu Hause in Glansdorf, nur eben mit Hügeln, die mir als Plattlandnase wie Berge vorkommen

Die Lebenssituation hier ist schon etwas umkomfortabler und natureller als gewohnt, grade für Leon (Stadtkind!) ist es ungewohnt, es gefällt uns aber sehr gut!

 

So, das war's für heute, bin gleich mit Leon zum Skip-BO spielen verabredet, bonne nuit!

4 Kommentare 16.9.11 21:34, kommentieren

Salut de Paris!

Mein einjähriger Freiwilligendienst fing mit einem neuntägigen Seminar in Hirschluch (Brandenburg) an. Insgesamt haben sich über 130 Freiwillige von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) zum Seminar getroffen, sie gehen in die Länder Frankreich, Israel, USA, Norwegen, Niederlande, Belgien, Tschechien, Russland, Belarus, Ukraine. Es war schön bekannte Gesichter vom Vorbereitungsseminar vom Februar wiederzusehen Die Zeit in Hirschluch war geprägt von Projektarbeitsgruppen, thematischer Aufarbeitung der Shoa, Arbeit zur Identifizierung mit der Gruppe und viel Spass!

An Hirschluch habe ich viele schöne Erinnerungen, z.B. Standard- und Lateinamerikanischer Tanzkurs, morgendliches Frühjoggen mit Baden im Storkower See, Aufführung des beeindruckenden Inklusionszirkus' "Sonnenstich", interessante Vorträge (Psychische Krankheiten, Gender/Queer (jaha!), ASF...), lustige Fahrten im Singebus, Lagerfeuer, Auftritte der talentierten Seminarband, Spielbörsen etc.

Schockiert war ich von der dominanten Parteiwerbung der NPD in Storkow, beispielsweise durch hässliche Wahlplakate an jeder (!) Strassenlaterne und bewusste Provokationen uns, den Friedensdienstlern gegenüber.

Da wir Freiwilligen uns größtenteils im linken, grünen, christlichen, sozialdemokratischen, ökologischen oder friedenswilligen Millieu bewegen haben wir uns sehr provoziert gefühlt. Nächtliche Aktionen unsererseits gegenüber rechtsradikalenr Parteipropaganda sind sofort "behoben" worden, ich bin ziemlich sauer und überrascht gewesen. Glücklicherweise sind die rechtsradikalen Parteien in meiner Heimat Ostfriesland kaum vertreten! Auch bei den Seminarteamern ist der grundsätzliche Tenor unsererseits angekommen.

Gemeinsam mit einer örtlichen Widerstandgruppe gegen rechts konnten wir unseren Part gegenüber der rechten Partei leisten mittels Flyerverteilung und Gegenplakaten von "Keine Stimme den Nazis in Storkow und anderswo", gefällt mir!

 

Bei mehreren Ausflügen in die Bundeshauptstadt haben wir uns im "Haus der Wannseekonferenz" umgesehen, unsere Projekte in verschiedenen Kirchengemeinden vorgestellt, eine Stadtteilmütterführung in Neukölln wahrgenommen (empfehlendswert!) und einfach etwas Berliner Luft geschnuppert.


 

Jetzt sitze ich in Paris und bin ganz aufgeregt, denn in einer Stunde geht's 'gen Normandie!

Die gemeinsame Zeit in der Ländergruppe ist eine tolle Eingewöhnung gewesen, wieder viel dazugelernt,

NORMANDIE, je viens!

 

2 Kommentare 13.9.11 12:06, kommentieren