Meta





 

Holz

Der Winter ist in den letzten Zügen, geheizt wird nur noch abends, die Holzvorrate gehen in ganz Calvados zuneige, so ist auch unser Holzvorrät erheblich geschrumpft.

Nun ist die Zeit gekommen neues Holz zu fällen, sägen, hacken, stapeln, trocknen für den nächsten Winter, in unserem Fall für die nachfolgende Generation der Volontaire.

So machten wir einen "Chantier du bois", netterweise mithilfe der Bauern, und besorgten in den Wäldern der Bauern genügend Holz, beschränkten uns glücklichweise jedoch auf die schon umgefallenen Bäume. Mit Kettensägen und Traktoren bewaffnet ging es in den Wald!

Vier Männer, drei Kettensägen, eine Frau, unglaublich welche Emissionen von Testosteron da im männlichen Part unser Truppe freigesetzt wurden, die Männer, besonders der Älteste von ihnen ging in dieser Arbeit wahrlich auf!

Auch ich habe in erwartender Haltungauf eventuelle Hormonschübe  unter dem kritischen Blick der Männer die Kettensäge angesetzt, konnte die Befriedigung der Männer jedoch keineswegs nachvollziehen....da unterscheiden sie sich wohl doch, Männlein und Weiblein.

 

Da das Holz erstmal da ist muss es auch gehackt werden. Donnerstag von morgens bis abends war ich also mit der Axt zugange, eine wahrlich anstrengende Arbeit!

Bei unserem Nachbarn der sich gleich auf die dicksten Bäume gestürzt hat zerkleinern wir das Holz mit einer "Casseuse", einem Holzspalter. Den ganzen Tag obwohl mit Hörschutz ausgestattet zwischen laufendem Traktor, lärmendem Holzspalter und Kettensäge geht wahrlich auf Kopf und Ohren...

Trotz  aller Anstrengung weiß man aber ja das die Plakkerei für einen guten Zweck ist, schließlich werden es die kommenenden Volontaire und unserer Nachbarn im nächsten Winter schön warm haben! Und eigentlich macht es auch Spass...und gibt Muckis!

1 Kommentar 25.2.12 12:40, kommentieren

Normannischer Winter

Wie wohl in ganz Europa herrschen auch hier seit einigen Tagen Minustemperaturen. Es hat am Wochenende geschneit, die Straßen sind glatt. Die Schulen fallen aus, die Linienbusse und sogar der Zugverkehr. Der Winter kam genau wie jedes Jahr, unangekündigt!

 

Nun verhält es sich so, das wir hier ein relativ einfaches Leben führen. Wir heizen mit Holz und nachts legt eben keiner Brennbares nach. Der Holzvorrat reicht noch für ungefähr drei Wochen, morgendliche Temperaturen im Haus um zehn Grad Celsius sind keine Seltenheit!

Die Kälte ist durchaus auszuhalten, im Süden Frankreichs ist es da viel ungemütlicher! Dennoch froren zwischenzeitlich unsere Wasserleitungen ein und es gab einen Tag kein Wasser mehr! Unser Auto bevorzugen wir momentan nicht zu bewegen, Sommerreifen machen sich einfach nicht so gut auf hügeligen vereisten Straßen! Das heißt, dass wir prinzipiell nur auf Fermen in Fußnähe arbeiten können, z.B. in dem wir das allmorgendliche Füttern der Hoftiere der Nachbarin übernehmen. Leider herrschen auf der pädagogischen Ferm nicht die besten Isolationsmöglichkeiten, die vielen Tiere leben in ständiger Gefahr zu erfrieren oder zu verdursten, dass Eis muss mehrmals täglich in den Trinkgefäßen aufgebrochen werden, die Tiere vor der Kälte geschützt. Doch leider schaffen es nicht alle Tiere durch den Winter. Heute morgen habe ich ein erfrorenes Zicklein aus dem Stall tragen müssen um es neben ein totes Lamm, ein Kaninchen und eine Gans zu positionieren. Beim Anblick dieses kleinen unschuldigen Tieres gefriert nicht nur das Eis sondern auch das Herz, wirklich schade drum!

Insgeheim ist alles Holzschleppen, jeder gefrorene Fuß jedoch nicht schlimm in Anbetracht einer Toilette in einem Holzverschlag im Garten! Man friert sich wahrhaftig seine vier Buchstaben ab...

Nun denn, dass kommende Wochenende werde ich mein Leben hier alleine gestalten denn mein Mitbewohner ist in Paris...

Genießt den Schnee und freut euch über die Erfindung des Heizkörpers!

Gute Nacht,

Gesa

2 Kommentare 9.2.12 23:23, kommentieren

Kulinarisches Frankreich

Am 02. Februar ist traditionell das Fest "Chandeleur" in Frankreich. Dieses Fest ist ein Teil der Karnevalstradition und man isst abends obligatorisch Crepes. So kam es, dass wir auch bei der Arbeit Crepes gegessen haben. Nachdem Repas kam die große randlose Crepepfanne auf den Gasherd. Und los gings, oder auch nicht.

Da saß ich nun mit fünf männlichen und einer weiblichen Kollegin in der Küche und hoffte auf Crepes. Der Erste versuchte sich und bekam den Teigfladen nicht umgedreht, der Zweite ließ ihn anbrennen, der Dritte nahm zu viel, der Vierte zu wenig Teig und der fünfte Crepe ähnelte eher einem ungesüßten Kaiserschmarn! Hungrigen Leibes stellte ich mich an die übergroße Crepepfanne und siehe da, er wurde gut. Da saß ich nun also inmitten von Franzosen in Frankreich und wurde als Crepemeisterin bezeichnet, als Ostfriesin und durfte meinen Kollegen ihren Crepe zaubern! Vive la France!

 

Eine ganz andere kulinarische Verköstigung habe ich in Villefranche sur Saone (bei Lyon) "genossen". Da Schnecken eine Spezialität Frankreichs sind und zudem nicht teuer, bereiteten meine Freundin Marietta und ich mir zwölf dieser angeblichen Köstlichkeiten zu. Tiefgefrorene Schnecken mit Kräuterbutter gefüllt in den Backofen, sieben Minuten warten und fertig ist die Haute Cuisine!

Die erste Schnecke ging nur schwer hinunter, Konsistenz und die Vorstellung eines schleimigen Etwas' im Mund waren doch abschreckend. Während die zweite und dritte Schnecke recht annehmbar, durch den Knoblauch-Butter Geschmack überzogen, ist die vierte Schnecke schon wieder grenzwertig gewesen, die letzten haben wir uns dann gespart und im Abfalleimer beerdigt. Wieder eine Erfahrung reicher geworden

2 Kommentare 9.2.12 22:56, kommentieren

Café Loco!

Bekannte von uns luden uns  letzten Samstag zum Essen ein, nichts Besonderes möchte man meinen...

In einem selbstgebauten großen Gebäude ganz aus Holz und wunderschön mit Kamin und Sesseln bestückt waren 40 Gäste geladen.

Das Besondere: alle Lebensmittel des ausschweifenden Abendessens waren vegan und regional!

Nebst Gemüsesuppe, Cidre, Apfelsaft, Salat, Kartoffel-Karottenpuffern, gefüllten Teigtaschen und gebackenen Kürbissen sowie Tarte aux Pommes, Obstsalat mit Erdbeersauce und frischem Brot usw. gab es auch Unbekanntes wie zum Beispiel selbstgemachter Löwenzahnkaffee (welcher allerdings genauso schmackhaft klingt wie sein Name, sehr bitter!).

Zudem waren die Lebensmittel wenn möglich biologisch. Die Aufgabe der lokalen sowie veganen Lebensmittel war jedoch gar nicht so einfach da die Lebensmittelproduktion in der Normandie doch relativ beschränkt sind und beispielsweise Zucker oder Öl erst gesucht werden mussten da sie auch nicht durch Honig und Butter zu ersetzen waren!

 

Den Franzosen ist der Veganismus jedoch so bekannt ist wie einem Pferd das Stricken. In einem französischen Haushalt wird täglich 1-2 Braten oder sonstiges Fleisch gegessen, viele Eier werden verbraten und der obligatorische Käse fehlt eigentlich nie! Selbst ich als Vegetarierin gelte schon Exotin..

Unsere Nachbarn (mitte sechzig), ehemals u.a. Fleisch- und Eierbauern waren ebenfalls geladen uns zuvor sehr skeptisch, sie wurden jedoch auch positiv überrascht von dem Abend denn die Veranstalter gaben sich sehr viel Mühe und ließen den Abend wahrhaftig gelingen, nebst Essen gab es begleitete Tischdiskussionen zum Verbraucherverhalten, Sketche, Spiele und viele Informationen!

 

2 Kommentare 25.1.12 18:55, kommentieren

Dies und das.

Wir haben ein gravierendes Problem in unserem kleinen Schloss: Mäuse!

Ersterer Versuch sie loszuwerden ist gescheitert. Die "ach so nette" Katze unserer Nachbarin wollte einfach nicht bei uns wohnenbleiben, erst recht keine Mäuse erschrecken oder fressen! Das wollte sie nicht beim ersten Versuch sie zu adoptieren, nicht beim zweiten und erst recht nicht beim dritten Versuch. Also haben wir diese Idee fallengelassen.

Da jedoch mittlerweile nicht nur das nächtliche Getrippel auf den Dachsparren nervt sondern auch unsere Nahrungsvorräte merklich weniger werden und Familie Maus Spuren aus kleinen schwarzen Körnchen hinterlässt mussten wir zu anderen Mitteln greifen.

Leon hat sich zwei klassische Käse-Holz-Zuschnappfallen ausgesucht, ich eine etwas größere metallene Zuschnappfalle. Beide funktionieren mit wunderbar billigem Käse. Mittlerweile haben wir zehn Todesfälle zu verzeichnen, allerdings keine Lebendgefangene. Insgeheim muss ich jedoch zugeben, dass das Zuschnappen der Todesfallen durchaus ein wohliges Gefühl hervorrufen. Die Maus sieht den Käseköder, will hineinbeissen und ZACK, innerhalb von einer 1/38tel Sekunde ist ihr das Genick gebrochen. Kein Blut, keine Schmerzen. Saubere Sache!

Mein Knäckebrot wies heute Morgen jedoch trotzdem Mäusespuren auf, so ein Pech aber auch...

 

 

Auf die momentan viel gestellte Frage was wir denn bitte im Winter täten an Arbeit wo doch die Ernte bereits bestellt sei und es weniger Tierbabys zum Versorgen gäbe...als Bauer repariert man Zäune! Alte müssen entfernt werden, neue Pfähle gebaut und installiert werden, Lücken im Stromnetz geschlossen werden. 

Gestern reparierten wir bei strahlendem Sonnenschein den Zaun einer Kuhweide. Man hätte meinen können es sei April, so ein frühlinghaftes Wetter! Der Bauer dem die Kuhweide gehört ist ziemlich lässig, er hat uns auf dem Frontlader des Traktors "transportiert", auf dem Hof und später sogar auf einer Autostrasse, gen Kuhweide. Das war ziemlich lustig, ein wenig wie Achterbahnfahren. Wessen Idee das wohl war? Wir sind jedenfalls gut von A nach B gekommen und es ist nichts passiert

 

Heute  Abend sind wir bei "den Protestanten", einer kinderreichen Familie im Nachbarort, zum Essen eingeladen. Anscheinend sind es die einzigen Protestanten in ganz Calvados, seit Monaten wird uns von ihnen erzählt und nun ist endlich soweit, bald werden wir wohl erstmals einen französischen Gottesdienst besuchen...katholische Messen heißen übrigens "messe", evangelische Gottesdienste "culte", kein Wunder, dass kein Mensch evangelisch ist bei dem Namen...

Ich finde es interessant, dass man sich allein durch die Zusammengehörigkeit zu einer Religion zusammengehörig fühlt und eingeladen wird! Es ist wirklich sehr nett...

 

 

Vor einigen Tagen waren wir wie öfters im Kino im nächsten Ort, haben uns "Les Intouchbles" angeschaut, guter Film. U.a. sind wir mit ein paar Bekannten dagewesen, auch einem 18-Jährigen aus  Belgien der momentan bei unseren Nachbarn arbeitet.

Der Belgier kommt aus dem flämischen Teil Belgiens und spricht daher einen niederländischen Dialekt. Und sie einer an, eine Konversation zwischen ihm in seiner Muttersprache und mir mit ein paar Brocken Plattdeutsch war möglich! So können wir uns nicht nur auf Französisch und Englisch unterhalten, nee, nu künn' wie ook 'n bietje Platt tosamm'n prooten!

 

Euch allen ein schönes Wochenende!

 Gesa

 

 

1 Kommentar 13.1.12 17:51, kommentieren

Galette de Rois

In Frankreich gibt es die Tradition sich Anfang Januar mit Bekannten, Verwandten oder Kollegen zu treffen und den "Galette de Rois" zu essen. Der Dreikönigskuchen muss nicht zwangsläufig am 06. Januar gegessen werden, hat aber seinen Ursprung in der Bibel.

 Der typische "Galette de Rois" aus Calvados besteht eigentlich komplett aus Blätterteig. Er hat die  runde Form eines Kuchen und kann innen gefüllt sein, z.B. mit Äpfeln oder Caramel. Es gibt aber auch andere Variationen, beispielsweise aus Briocheteig!

Das Besondere an diesem Kuchen sind zwei kleine Figürchen innendrin. Beim Galetteessen mit unseren Nachbarn aus Escures haben sich die beiden Nachbarskinder unter den Tisch gesetzt als ihre Mama ihn angeschnitten hat und durften dann entscheiden welche Person welches Stück Kuchen bekommen soll.

Beim Essen waren alle ganz vorsichtig und jeder hat gehofft eine der beiden Figürchen zu erhaschen. In jedem Galette sind zwei Figürchen enthalten. Wer eine in seinem Stück Kuchen erhascht ist entweder die Königin oder der König und bekommt als Belohnung eine goldene Krone aus Pappe aufgesetzt.

In unserem Fall hatten wir dann zwei Könige und zwei Königinnen weil wir zwei Galettes für ganz Escures gebraucht haben.

Unsere beiden Nachbarskinder haben zufälligerweise beide ein Figürchen erhascht, dem neunjährigen Jungen war es jedoch peinlich König zu sein und er wollte die wunderschöne ehrbare Krone nicht aufsetzen! Die Erwachsenen jedoch waren brav und haben ihr Krönchen aufbehalten und ihren Cidre getrunken!

Heute hatten wir das dritte Mal ein "Galette de Rois" essen und ich bin auch endlich mal Königin geworden. Meine Krone war silbern mit rosa Edelsteinen..

1 Kommentar 10.1.12 19:33, kommentieren

Lebenszeichen.

Hier sitze ich also auf einem fremden Bett, in einer fremden Butze in einer fremden Stadt. Paris.

Verbringen Silvester in Paris und haben glücklicherweise durch eine Internetseite noch eine günstige Unterkunft bekommen. Eigentlich wollten wir bei einem Mitfreiwilligen in Paris nächtigen aber diese treulose Tomate hat uns versetzt...

Nun bin ich hier, Schlafzimmer, Küche, Esszimmer, alles in einem Raum, da fühle ich mich ja fast wie zu Hause in der Normandie

In der letzten Zeit ist viel passiert, wir hatten ein einwöchiges ASF-Seminar in Paris, einen Autounfall ohne Verletzte und die Weihnachtenstage habe ich in Ostfriesland und Göttingen bei der Familie verbracht.

 

Nach vier Monaten war ich ich erstmals wieder in Deutschland und zu Hause. Ich muss sagen, es war ein wirklich schöner Anblick den deutschen ICE im Pariser Ostbahnhof zu sehen...

Das Erste was mir in Deutschland auffiel war, dass alle deutsch gesprochen haben. Welch Überraschung. Naja, es war sehr ungewohnt!

Ehrlichgesagt habe ich mich anfangs etwas fremd gefühlt, das verging jedoch spätestens als im Regionalexpress kurz vor Ostfriesland die ganzen emsländischen Käffer angesagt wurden

Zu Haus bei meinen Eltern war es sehr schön, eigentlich hat sich nicht viel verändert nur, dass meine Schwester jetzt Medizinstudentin ist und meine Freunde auch alle nur zu Besuch in Ostfriesland waren...

Limit, Kirche, Weihnachtsbaum, Familie und Freunde, Radfahren, Essen, Göttingen, alles genossen. Es war schön in Ostfriesland, ich habe mich wohlgefühlt. Dennoch bin ich froh nicht mehr dort bei meinen Eltern zu wohnen sondern mein eigenes Ding durchzuziehen und jetzt eben in der schönen Normandie zu wohnen!

Ich wünsche euch alle einen guten Rutsch in's neue Jahr!

Eure Gesa.

 

1 Kommentar 29.12.11 23:39, kommentieren